Willkommen im Paradies und der dritten Welt

Veröffentlicht auf von Dominic Blank

Nach einigen Wochen Abwesenheit melde ich mich mal wieder zu Wort. Dieses Mal mit einer besonderen Reise, einer Reise an die Küste, in den Naturpark Tayrona. Genauer gesagt, ging es mit dem Flugzeug in die Stadt Baranquilla und von dort aus über Santa Marta nach Tayrona (auf der Karte rechts am Bildrand markiert). Aber immer der Reihe nach...
Geplant wurde die Reise mit einer Kollegin und deren Freunde, die alle ursprünglich aus Baranquilla stammen. Laut denen, musste ich die Küste, deren Leute, Essen und Lebensstil unbedingt kennen lernen (Bogotáner gelten  als die verschlossensten, die Leute von der Küste als die offensten). Das war jedoch nicht der wesentliche Grund, sondern vielmehr war es Absicht, den Tayrona Naturpark kennenzulernen. Naturpark, weil sich hier Berge, tropischer Wald und Strand vereinen. Es soll einer der wenigen Ort der Welt sein, an dem Berge direkt am Strand ansetzen und die ganze Natur dazu noch so original belassen und unberührt ist. Hier findet man weder Hochhäuser, noch Massenhotels, noch sonst irgendwas- lediglich Hängematten und Zelte erlauben einem die Übernachtung.
Wie schon erwähnt, ging es am Freitag mit dem Flugzeug von Bogotá nach Baranquilla. Schon das hat Spass gemacht, da ich beim Einsteigen mit einem Engländer und einem Australier ins Gespräch gekommen bin. Beide waren Minen Ingenieure und haben vorher in Afrika, Australien und Kanada gelebt, so dass wir zusammen über die Kolumbianische Art des Lebens philosophieren konnten...:-)
Wie auch immer: Wir sind fast nicht in Baranquilla angekommen...warum? Na die haben kurzfristig einfach den ganzen Flughafen gesperrt. Angeblich, wegen einer "Gefahr am Boden", so dass wir schon auf den Weg in das 1 1/2 entfernte Cartagena waren. Letztendlich und kurz vor Cartagena, hiess es dann doch umdrehen und in Baranquilla landen- der Flughafen war wieder freigegeben.
Angekommen in Baranquilla haben mich die Freunde einer Kollegin abgeholt. Die feuchte Hitze trifft einen sofort wie eine Wand. Abgeliefert im Haus von Verwandten derer, wo die gesamte Familie schon mit dem Essen auf mich gewartet hatte, gings dann erstmal an den Smalltalk.  Was danach folgte war ein Besuch in 2, 3 Bars und Whisky auf Eis....
Morgens um 9 gings endlich ab nach Tayrona! Abgeholt wurden wir von einem "Tür-zu-Tür Service" in Form eines Taxis, das für den Weg von Baranquilla über Santa Marta nach Tayrona (ca. 2 1/2 Stunden) gerade einmal 30€ gekostet hat.
Angekommen in Tayrona muss man zuerst eine Kontrolle auf Drogen über sich ergehen lassen, bevor man in den Park gelassen wird. Wieder zurück im Taxi wird man noch 1 km bis zum Parkplatz gebracht, bevor man endgültig aussteigen muss. Von hier an hat man 2 Möglichkeiten; Entweder den beschwerlichen Weg durch den tropischen Wald samt Gepäck auf dem Rücken, oder man überlässt das ganze den Pferden, die für ein wenig Endgelt das ganze bis zum gewünschten Strand bringen. Wir, natürlich, haben uns für die Variante mit den Pferden entschieden. Das heisst jedoch nicht, dass die uns getragen haben, nein, laufen mussten wir schon selbst! Es gibt rund 8 Strände im ganzen Park, der zu Fuss nur schwer zu erkunden ist. Nach ca. 1 Stunde durch den Wald und den ersten Affen auf dem Weg, erstreckte sich dann endlich "Strand" vor uns. Das Bild war wirklich beeindruckend. Einige von euch kennen vielleicht die Fernsehserie "Lost" (Nein, ich war kein FAN!!), so kann man sich das ungefähr vorstellen. Weit und breit nichts zu sehen, ausser der Strand vor den Füssen, die Palmen entlang des Strandes, den Kokosnüssen auf dem Boden und die bewaldeten, grünen Berge im Hintergrund- ein wahnsinniges Bild! Leider können die Fotos das nicht wiedergeben, sondern wirklich nur erahnen lassen. Dazu kommt noch, dass teilweise riesige Steine, wie Fundlinge, in der Brandlung liegen. Das alles ergibt schlussendlich ein unberührtes, wunderschönes Bild. Ein Krititiker hat mal bezüglich eines Strandratings über Tayrona geschrieben:" Niemals zuvor, war ich im ersten Moment so beindruckt und überwältigt wie in Tayrona....(The Guardian, England)". Entlang des Strandes ging es noch ca. 20 Minuten zum Strand unserer Wahl. Hier gab es ein kleines "Restaurant" und nebem dem nur Hängematten und Zelte. Auch beeindruckend war, wirklich jeden Morgen um Punkt 7 Uhr von der Sonne geweckt zu werden- einen besseren Wecker gibt es nicht! Wirklich um Punkt 7, denn das heisse Klima erlaubte einem nicht länger zu schlafen. Im Zelt hat man es kaum ausgehalten... Ständige Begleiter am Abend waren übrigens Krebse, die sich in ihre Löcher (auch in der Zeltgegend) zurückgezogen haben (Tennisball gross).
Knapp 3 Tage und 2 Nächte waren wir dort und nebem dem "faulen rumliegen am Strand" haben wir auch den harten und beschwerlichen Weg in das 1 1/2 Stunden entfernte Indianerdorf auf uns genommen. Es gibt 2 Familien, die noch in dem Park wohnen und zu denen man vom Strand hoch in die Berge muss. Ein Weg wurde zwar "konstruiert", jedoch über Stock und Stein steil nach oben.... Ich habe glaube ich noch nie in meinem Leben so viel Wasser gelassen- der Anstieg, das Klima, die Höhe. Als ich dann die erste Schlange über mir im Baum gesehen habe, habe ich beschlossen ab hier an nur noch geradeaus zu schauen...:-) Denn ein Tourguide war nicht dabei und in Flip Flops und oberkörperfrei fühlt man sich nicht immer zu 100% sicher...
Angekommen im Dorf machte sich Enttäuschung breit- "der ganze Weg, das viele schwitzen und unzählige Mosquitobisse für 4 Tippizelte und 3 eingeschüchterte Ureinwohner?! Das kann doch nicht alles gewesen sein?" Doch, war es aber... Es ging also wieder 1 1/2  Stunden runter an den Strand und in das warme, türkis-blaue Wasser... Gut, es muss auch Niederlagen geben!:-) (was soll man auch  von einem Indianerdorf erwarten)
Ansonsten guckt euch einfach die Bilder an, ich hoffe die Eindrücke lassen sich erahnen. Ohne Zweifel, war das bestimmt der schönste Fleck Erde, den ich bisher gesehen habe.

Montag Nachmittag ging es dann wieder zurück nach Baranquilla, wo uns die Familie mit typischem Küstenessen empfangen hat- so etwas wie Empanadas gefüllt mit Reis, Ei und Fleisch, Garnelen mit besonderer Salsa etc...
Dienstag wurde mir die Stadt Baranquilla (mit ca. 1 1/2 Millionen Einwohner die glaube ich drittgrösste Stadt Kolumbiens) vorgestellt. Es gibt hier keine Altstadt und auch keine Metro oder einen Busbahnhof. Doch die Atmosphäre mit Palmen, Strand und den herzlichen Mensch zählt. Von daher gefällt mir die Stadt besser als Bogotá- es gibt kaum Hochhäuser, das Leben ist gelassener und die Leute voller Lebensfreude. Im Süden der Stadt gibt es sehr viel Industrie, Märkte und auch jede Menge Armut. Schon auf dem Weg von Baranquilla nach  Tayrona wird einem bewusst, was Armut wirklich bedeutet. Direkt neben dem Strand hausen die Leute in Blechhütten. Jedoch nicht eine oder zwei Hütten, sondern gleich ein ganzer Bezirk. Man kann durch die Hütten durchschauen, dicht an dicht reihen diese sich aneinander und das ganze Leben spielt sich auf den Wegen und Strassen vor den Häusern, pardon, "Hütten" ab....
Fährt man vom Flughafen (der liegt etwas ausserhalb) in die Stadt, erstrecken sie bereits nach 10 Minuten zur Rechten und Linken die unzähligen Stände, Märkte, halb abgerissene, leerstehende Lagerhäuser. Hier heisst es "Bienvenido a un país tercer mundista- Herzlich Willkommen in einem Land der dritten Welt". Doch hier tobt das Leben! Überall laufen die Leute kreuz und quer über die Strassen, rufen, schreien, kaufen, verkaufen, schlafen und rennen... überall Mopeds, Leute mit ihren Eseln die die Karren ziehen, Fahrräder und Lastwagen- ein wirklich unbeschreibliches Bild. Da weiss man mal kurzzeitig nicht ob man den Kopf schütteln soll oder lachen sollte, oder beides gleichzeitig?
Schaut euch die Bilder an und achtet auf die Titel...  (Ich habe fast ausschliesslich die hässlichen Teile von Baranquilla fotografiert. Einfach aus dem Grund, weil dass das extremste war. Keine Angst, es gibt auch schöne Teile...)
Dazu kommt noch eines- Baranquilla hat als einzige Stadt kein Abwassersystem. Im Fall, dass es mal regnen sollte (passiert seltener) entwickeln sich wie kleine Flüsse in den Strassen, die dann Berg abwärts in die nächst grössere Strasse münden, in der die Strömung dann noch reissender wird. Schlussendlich mündet das ganze Wasser in den Fluss "Rio Magdalena" der dementsprechend schwarz ist. Schade nur, dass das einer der wichtigsten und grössten Flüsse Kolumbiens ist! Schade, dass Menschen von diesem fast schwarzen Wasser abhängig sind, um zu kochen, trinken und zu überleben...
Zum Glück hat es am Dienstag eine halbe Stunde geregnet, so dass ich Zeuge von diesem seltenen Schauspiel wurde! Und ja, hier musste ich definitiv beides- den Kopf schütteln und dabei lachen!!:-)
Es hat nicht allzu doll geregnet, sollte das aber mal der Fall sein, können die Leute ihre Häuser nicht verlassen, weil es sonst zu gefährlich wäre, die Strömung die Autos erfassen würde... Schaut euch mal die Bilder an, wo die Leute über eine Art "Brücke" über die Strasse gehen- da stellen die Leute Holzkartons hin und nehmen dafür Geld, um die Leute über die Strasse zu lassen. Wenn ein Auto durch will, wird die Brücke eben schnell wieder abgebaut und danach wieder aufgebaut. Geile Idee- auch  was für Berlin?? Wir haben doch immer nach ner Idee gesucht um uns selbständig zu machen...

Sei es wie es sei; Die letzen Tage waren erneut voll von Eindrücken, schönen wie einmaligen. Am Freitag, sprich Übermorgen gehts weiter in den Amazonas. Dann heisst es vom Herzen des Landes, in den absoluten Süden, mit der Grenze zu Peru und Brasilien- ich bin gespannt!

Wilkommen im Paradies und der dritten Welt!
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