¡Amazonas!
Nach nur 2 Tagen Arbeit in der letzten Woche, ging es bereits am Freitag wieder auf Reisen. Auf diese freute ich mich besonders, denn das Ziel ist ebenso einmalig wie faszinierend- der Amazonas!
Ging es in der Woche zuvor vom Herzen des Landes (Bogotá) an die Kúste in den Norden, ging es dieses Mal in den absolut südlichsten Punkt Kolumbiens, nach Leticia (der zweite, grössere rote Pfeil in der Karte rechts am Bildrand). Der Flug dorthin dauerte ziemlich genau 2 Stunden und niemals zuvor bin ich in einem solch kleinem Passagierflugzeug geflogen. Es gab 3 Reihen, Platz für ca. 40 Leute und Turbulenzen inklusive. Beim Ansetzen zur Landung, aus den Wolken heraus hinein in die klare Sicht, setzte das erste Staunen ein- ein Meer von grün, Bäumen und mittendrin der Verlauf des Amazonas. Das nimmt einem wirklich kurz den Atem, das endlose grün und die vielen Bäume, dicht an dicht. Angekommen in Leticia setzte ein anderes alt-bekanntes Phänomen erneut ein: “Kopfschütteln und dabei lachen müssen”. Der “Internationale” Flughafen von Leticia misst, so schätze ich, gerade einmal 60 x 20 Meter und empfängt einen Flug am Tag: “Herlich Willkommen am Arsch der Welt, Herzlich Willkommen im Amazonas”. Die Wände waren überall mit Tieren und Pflanzen bemalt, ja schon mehr eine Gallerei, als ein Flughafen war das. Eingecheckt im 3 Minuten entferntem Hotel von 0 Sternen, aber warmem Wasser, Klimaanlage und gutem Essen, ging es sofort auf zur ersten Tour. Jeden Tag stand eine solch organisierte Tour an. Sofort fiel auf, dass es kaum Touristen gab- besser für uns! Meine Kollegin und ich hatten fast immer einen Tourguide nur für uns. Ausgerüstet mit Gummistiefeln, MÜCKENSPRAY und Sonnencreme ging es auf zum Boot und auf den Amazonas. Alle Touren liefen übrigens so ab, dass man vom Tourguide vom Hotel abgeholt wurde, zur Ablegestelle des Bootes ging und von da an mit dem Boot zur gewünschten Stelle fuhr.
In Leticia wird der Amazonas bis zu 1 km breit (bei der Mündung ins Meer noch um einiges breiter) und die Weite des Flusses mit der Flora und Fauna am Rand beeindruckt sofort. Es gibt übrigens zwei grundlegend verschiedene Epochen, zu der man den Amazonas besuchen kann. Eine erstreckt sich von April bis Juni und charakterisiert die Regenepoche. Zu dieser Zeit, regnet es täglich, fast ununterbrochen und der Amazonas steigt um bis zu 20 Meter. Hier kann man sich nur mit dem Kanu fortbewegen, weil der Fluss bis zu 40km landeinwärts reicht. Dann gibt es noch den Rest der Zeit, wie z.B. den Oktober, zu dem der Amazonas recht niedrig ist (vielleicht sieht man das auf einigen Bildern, da das Wasser nicht bis zum Rand reicht). Diese Zeit ermöglicht einem, den Wald zu Fuss zu erkunden und Pflanzen zu sehen, die zur Regenzeit überschwemmt sind. Aus diesem Grund “wächst auch nicht alles, was im Amazonas geboren wird”. Kann man zur “Trockenzeit” eben angesprochene Pflanzen sehen, heisst das nicht, dass diese auch überleben und weiterwachsen, weil zur Regenzeit viele Gebiete überschwemmt werden. Aber gut, das nur ein kurzer Exkurs. Beide Epochen haben also ihr für und wieder. Es wäre übertrieben und auch ohne Sinn, wenn ich jeden Tag ins kleinste Detail beschreiben würde. Zu viele Eindrücke gab es und zu verschieden waren diese. Deshalb folgen in der folgenden Beschreibung nur einige Highlights…
Vorab muss gesagt werden, dass man nicht mit der Erwartung in den Amazonas gehen darf, am laufenden Bande Leoparden, Schlangen oder Spinnen zu sehen (natürlich ist uns allen klar, dass Herr Blank vorab die Erwartung hatte, einen erbitterten Kampf zwischen einem Tiger und einer Anaconda live mitzuerleben…J)
Zu scheu sind die Tiere und sehr tief in den Amzonas müsste man sich über mehrere Tage begeben, um das alles hautnah zu erleben.
Was in Wirklichkeit viel mehr beeindruckt, ist die grenzenlose Weite und die unendliche Ruhe und Friedlichkeit, die der Amazonas darstellt. Die vielen, unaufnehmbaren Geräusche die man in Mitten des Waldes wahrnehmen kann, wenn man nachts mal alle Lichter ausmacht.
Aber gut, wo fange ich denn endlich an….
Zum Thema Flora und Fauna:
Mal ganz abgesehen davon dass es unzählige Bäume, Sträucher und Blumen in verschiedensten Farben und Ausprägungen gibt (dessen Namen rechts rein und links raus gingen), haben mich vor allem drei Dinge begeistert. Ersteres ist wie eine Seerose, die auch auf einem Bild zu sehen ist. Die Blätter dieser Seerose haben einen Durchmesser von bis zu 4 Metern und können bis zu 10 Kg tragen. Während auf der Unterseite cm grosse Stacheln sind, fässt sich die Oberseite wie Gummi an. Dessen Pflanze, die vermeidliche “Seerose” halt gerade einmal 36 h und ist Fussball gross. Das zweite, sind die so für den Amazonas bekannten Bäume, dessen Wurzeln nicht tief, aber in die Breite gehen. Hier von sind einige Fotos zu sehen. Ich meine hierbei diejenigen Bäume, die sternförmige Wurzeln haben, welche bis zu 40 meter vom Baum weg verlaufen und teilweise eine Höhe von bis zu 15 Metern erreichen, aber guckt euch die Bilder an. Ich glaube ein Baum hatte einen Durchmesser von 40 metern. Es ist schon erschreckend, wenn die Wurzeln eines Baumes um das vielfache grösser sind, als man selbst. Die Ureinwohner kommunizieren mit diesen Bäumen übrigens untereinander. Mit einem Stock schlagen sie, der abgesprochenen Zeichen entsprechend, mehrmals stark gegen die Wurzeln, die darauf einen ganz eigenen, lauten Ton von sich geben.
Auch Punkt Nummer drei ist ein Baum, der “Liebesbaum”. Dieser Baum ist dafür verantwortlich, weshalb man manchmal Bäume sieht, die wie 2 ineinander gewickelte Bäume aussehen. Es sind auch 2 Bäume! Was passiert ist das folgende. Vögel tragen Samen dieses Baum in die Baumkrone eines anderen Baumes. Dort oben fängt der “Liebesbaum” an zu wachsen und wächst von dort an langsam nach Unten zu den Wurzeln des anderen Baumes. Dabei wickelt er sich wie eine Spirale um den Baum, wächst sogar in dessen Rinde bis schliesslich zu dessen Wurzeln. Hier angekommen breitet sich der Liebesbaum immer weiter aus und stranguliert dabei den “Mutterbaum”. Er zieht sich buchstäblich immer enger zusammen, bis nach einem Prozess von 12 – 30 Jahren, der Mutterbaum endgültig abstirbt. Das Endresultat sieht wirklich spektakulär aus.
Ohne Gummistiefel wäre man wirklich verloren gewesen, matschig und tief waren die Wege durch den Wald. Ihr könnt ab und zu Bilder sehen, die von einem See in Mitten des Waldes oder einem Seitenarm des Amazonas sind, je nach dem, wo gerade die Tour hin ging. Das Bild von mir mit den Affen war z.B. auf der “Insel der Affen” (bis zu 10.000 Affen leben dort), die Bilder mit dem Caiman und der Tarantel von einem Seitenarm, die “Seerosen” auf einem See. Da Leticia unmittelbar im Dreiländereck “Kolumbien, Peru, Brasilien” liegt, haben wir ständig die Grenze überschritten. Schon auf dem Amazonas konnte es sein, das Leute im gleichen Boot jeweils in Peru, der andere noch in Kolumbien und der dritte schon in Brasilien war. So kam es, dass wir den gesamten Samstag in Peru verbracht haben, Sonntag in Kolumbien waren und Montag nach Brasilien rüber sind.
Jetzt aber zu den “Tier”- Highlights:
Eigentlich gibts in Flüssen ja keine Delphine, im Amazonas jedoch schon. Dazu gibt es neben gewöhnlichen grauen auch aussergewöhnliche rosane, ja rosane! Das ist einmalig und gibt es weltweit nur im Amazonas. Hier hat mir das Glück schöööön in die Karten gespielt, so dass wir diese selten Ansicht geniessen konnten. In ihrer ganzen Pracht sind sie vor uns aus dem Wasser gesprungen, und die sind nicht etwa “mit viel Vorstellung etwas rosa” oder “leicht getönt”, sondern strahlend rosa! Leider waren die immer viel zu schnell für meine Kamera…
Das nächste waren die Affen auf der Insel der solchen. Hier habe ich nur eine Banane in die Luft gehalten und was danach folgte ist auf einem Bild zu sehen. Bis zu einem dutzend Affen bespringen einen. Wie weit evolutioniert (gibt es das Wort im Deutschen, Sari???) die sind, ist erstaunlich. Ich glaube die pellen und essen die Banane besser als ich (Jetzt sagt nicht, dass das stimmt!). Natürlich muss man auch die Papageien und sonstige farbenfrohe Vögel bemerken, die einem ständig auf den Wegen begleiten. Auch die grösste Rate der Welt, die auf einem Bild zu sehen ist (die Grösse eines Hundes) und das Faultier waren besonders. Der Höhepunkt war jedoch eine Nachttour, die wir “inoffziell” mit einem Guide gemacht haben (ich konnte halt nicht genug kriegen…). Mit nur einer Taschenlampe ging es am Rand des Amazonas auf Caiman- (Familie der Krokodile, nur kleiner und agiler) und Krokodilsuche. Spätenstens hier habe ich mich wie Indianerjones auf Adventuretrip gefühlt. Denn niemand war auf dem Fluss, die Geräusche schienen in der Nacht viel lauter und die roten Augen der Caimane im Wasser vor einem. Der Guide lag auf der Spitze des Bootes und hat von links nach rechts geleuchtet. Wir sind in einen Seitenarm des Flusses eingebogen, der zunehmend enger wurde, am Schluss nur bis zu 4 Meter breit war. Dann folgte das Zeichen:”Pssst, Ruhe….”, ein Griff ins Wasser und ein Caiman in der Hand des Guides. “Wie hat der das nur gemacht?” Stark…. In den Bäumen links und rechts, Eulen und Echsen, die vom Zylinder unserer Taschenlampe eingefangen wurden. Am Ende des Flusses ging es auf einen 20 Minütigen Spaziergang- Irre! Die Geräusche und vor allem sein eigenes Vorstellungsvermögen führen dazu, dass man sich bei jedem Rascheln umdreht, auf jeden Schritt achtet. Beim Anleuchten einer Palme entdeckten wir eine Tarantel- mit Haaren überzogen und wie man sich das vorstellt. Auf der nächsten Palme wieder… über einem im Baum die Affen…
Der Himmel war übrigens selten klar, so hell wie nie. Klar, kaum Verschmutzung, weder viel Licht gab es hier…. Faszinierend, das ganze Zusammenspiel untereinander, ohne Worte quasi…
Achso, sollte ab und zu mal ein Haus auf den Bildern zu sehen sein, ist das ein schwimmendes Haus. Es ist getragen von Baumstämmen, die schwimmen und so leben dort eine Vielzahl von Menschen. Zur Trockenzeit stehen die manchmal schief, halb schwimmend, halb auf dem Ufer. Hm, ich stell mir das schwierig vor, bei 45 Grad Querlage zu kochen, schlafen usw….
Gott, fast hätte ich die Ureinwohner vergessen! Mit dessen Kindern habe ich Fussball gespielt, das war wirklich lustig. Man fühlt sich dort wie auf Missionarsmission in Afrika, denn sofort kommen alle Kinder um einen herum gestürmt, schauen dich an, lachen die ganze Zeit. Da fühlt man sich peinlich berührt, zwei Welten treffen aufeinander.
Das waren jetzt jetzt dann doch recht viele Ausführungen und Erfahrungsschilderungen, was?! Geht nicht anders, denn all das muss raus aus meinem Kopf und rauf aufs Papier.
Ingsgesamt lässt sich sagen, dass die letzten zwei Wochen mit der Küste (Tayrona und Baranquilla) und dem Amazonas der absolute Hammer und die ausufernde Reizüberflutung war. Dazwischen immer wieder Gespräche mit den Leuten über Kolumbien, die FARC, die Situation…. Ich benutze das folgende Wort oft, aber in diesem Fall beschreibt es die Situation, die Zeit wirklich treffend- der Wahnsinn!