Ein erster Erfahrungsbericht

"Drogen, Kriminialitaet und Kidnapping"

Nach zwei Wochen Kolumbien sollen nun, zur besseren Vorstellung, einige Bilder und ein erster Erfahrungsbericht folgen.

Die ersten beiden Tage waren schon krass. Abgeholt hat mich, nach Reise mit Zwischenstation in Frankfurt und Caracas, eine Arbeitskollegin. Das erste ist der Verkehr- ein Chaos! Die Strassen sind in schlechtem Zustand, aus 3 werden 5 Spuren und die Hand dauernd bereit auf der Hupe. Ueberholt wird rechts wie links und das beste ist wenn man versucht so dicht wie moeglich aufzufahren. Am schlimmsten sind die Klein- und sonstigen Busse die hier den oeffentlichen Verkehr repraesentieren.
Die halten wo sie wollen, fahren man sie wollen, machen, was sie wollen. An den Strassenraendern stehen hier  ueberall Menschen (wirklich ueberall), die auf Busse warten. Man streckt dazu einfach den Arm raus um diese anzuhalten- das waer doch auch was fuer Berlin....

Angehalten wird auch, wo man moechte- auf Knopfdruck. Haltestellen gibt es nicht. Wie geil, auch das wollte ich schon immer! Tatsaechlich, so sagte man mir, muss man aber erst "lernen" mit den Bussen zu fahren. Denn in den Fenstern haengen Schilder, die lediglich den Anfangs und Endort angeben. Die Strecke muss man dann kennen. Dazu ist es unter der Woche immer sehr voll. Man wenn nicht bis zum Faher durchkommt, muss man das Geld durchreichen. Ob das aber auch immer ankommt ist eine Lotterie. Vorher, kann man jedoch nicht einsteigen. Auch lustig ist, dass am Strassenrand ab und zu Kontrolleure stehen, die schauen ob die Busse auf Plan fahren (wo es den gibt, hat man mir noch nicht gesagt...). Da die aber nie puenklich kommen, wird dem Kontrolleur dann etwas zugesteckt... Naja, was solls auch.
Deswegen, habe ich aber gleich mal ausprobiert, wie das so ist mit diesen Bussen zu fahren... schon lustig. Wem das zuviel ist, der kann aber auch auf einen Haenger derer aufspringen, die noch mit dem Pferd durch die Stadt reiten. Wenn sie kein Pferd haben, ziehen sie den Haenger auch schon mal selbst durch die Stadt.

Daher geht fuer mich der Weg zur und von der Arbeit immer mit Taxi. Koennte doch nicht besser sein, oder? Dazu ruft man eine Nummer an und man bekommt automatisch angesagt, wann das Taxi kommt. Denn die Nummern sind hier alle registriert und mit Adressen hinterlegt, sodass man nichts weiter sagen muss. Nur dann im Taxi, die letzten zwei Ziffern der Telefonnummer als Code. Denn es kann auch Piratentaxis geben, die einen nicht zum Zielort, sondern zum naechsten Bankautomaten fahren. Die offiziellen Taxis, sind aber auch unmissverstaendlich gekennzeichnet.
Die Fahrt dauert immer um die 25 Minuten und kostet mich um die 8 - 10.000 pesos, rund drei bis vier Euro. Gut besser gesagt, kostet es Siemens immer um die drei bis vier Euro... :-)  Die Fahrt ist dann auch immer ein Erlebnis. Denn neben den kleinen schei.. Bussen, fahren auch die Taxis am schlimmsten. Ausserdem darf ich mir morgens dann aber und zu ein Monolog ueber die kolumbianische Frauen und Kulturwelt anhoeren. Gefragt habe ich danach zwar nie, aber gut.
Wenn man hier an den Ampeln steht, gleicht das einem Entertainment. Um sich was zu verdienen trumphen hier Feuerspucker, Jonglierer oder einfach nur Fensterputzer auf. Dazu laufen links und rechts Leute mit Blumen, Suessigkeiten oder sonst was rum und warten am Fenster.

Aber immer der Reihe nach: Das Apartment. Das ist wirklich sehr cool und gut gelegen im Studentenviertel "Chapinero". Ich habe neben einer wirklich guenstigen Waescherei auch direkt 2 Cafes direkt vor meiner Haustuer. Die Einrichtung koennt ihr ja auf den Bildern sehen. Das beste ist aber... die Putze! Jeden Tag wird puenktlich um 12 das Zimmer sauber gemacht. Ich brauch weder mein Bett machen (als ob ich das in Berlin machen wuerde), noch abwaschen, noch sonst irgendwas. Ich koche abends schoen was und wenn ich am naechsten Tag von der Arbeit komme ist dann wieder alles schoen gemacht. Das Bett ist gemacht, das Bad geputzt, der Boden gewischt, die gardinen zusammengehangen und sogar meine Waesche zusammengelegt- ein Traum! Auch das, wollte ich schon immer mal haben...

Das Stadtbild ist hier, neben Kleinbussen und Taxis aber vor allem von hochgezogenen Wolkenkratzern, Backsteingebaeuden und nochmals Backsteingebaueden gepraegt. Schon mag das fuer uns nicht sein. Deswegen gibt es aber auch in jedem Bezirk fast mind. 2 Parks. Die sind dann auch wirklich sehr gut. Neben Backstein und Wolkenkratzern sieht man in der Innenstadt (so wie man sich das vorstellen wuerde) Gebaeude im Kolonialstil, enge Gassen mit bunten Fassaden, kleine Laeden... Neben Bankenviertel trifft man auch mal auf "Favelas".  Das alles, man glaubt es nicht, kann aber durchaus seinen Charme haben. Spaetestens wenn man im 42 Stock im Cha Cha Club feiern geht (wurde mal zum besten Club Lateinamerikas gewaehlt) oder in die Anden ueber Bogota faehrt ist das schon was. Im Stadtzentrum ist das wie bei uns- Cocktailbars, Bierbars, Lokale und Clubs. Da sind die Preise auch fast gleich- bei Klamotten kommt auch ganz stark darauf an wo man einkaufen geht. Je nach dem wie gut man wohnt, bezahlt man auch. Taxi, Restaurants und Bars sind aber guenstiger als bei uns. Das Bier kann man schon mal fuer einen Euro bekommen.
In den Clubs werden immer ganze Flaschen gekauft- dem kolumbianischen Rum und sowas wie Sambucca wurde ich auch schon eingefuehrt.

Allgegenwaertig ist aber auch hier immer das Militaer, Praesenz zeigen. Tatsaechlich fuehlt man sich hier aber sehr sicher. In den letzten Jahren ist hier nichts passiert. Trotzdem stehen an allen oeffentlich Platzen Militaer und Soldaten. Bevor man auf oeffentliche Parkplaetze faehrt, muss das Auto ausgeschaltet werden und es wird mit zwei Hunden kurz der Kofferraum geoeffnet um auf Bomben und Drogen zu suchen. Auch in den Wohnungstrakten wartet im Eingangsbericht immer ein Sicherheitsmann (in den besseren Gegenden). Haueser in dem Sinne gibt es in Bogota nicht, nur Wohnungen...

Wo ich aber schon mal das Buero erwaehnt habe: die Arbeit. Gearbeitet wird hier im allgemeinen laenger als bei uns. Ich bin immer zwischen 8 und 18 im Buero. Mit nur 15 freien Tagen, haben die Leute hier auch nur halb so viele wie bei uns. Es ist auch unerwartet professionell- fuer die naechste Zeit habe ich einen ausgearbeiteten Plan bekommen, was ich jeden Tag machen werde (bin im Reporting und Controlling). Die Aussicht aus dem Buero ist ueberragend (siehe Bild im Ordner Buero), und einige putzen sich gegen 6 hier im Bad die Zaehne. Gut, wems gefaellt!!
Die Ausstattung ist nicht ganz so modern wie in Deutschland, aber die Kollegen sind super nett und bestens gelaunt. Mit denen, ein junges Team zwischen 23 und 27 mache ich dann auch meistens was. In der Arbeit, danach und am Wochenende. Auch gut ist, dass ich fuer das Essen hier in der Kantine nichts bezahlen muss. Dafuer kann ich immer schon dick essen... Apropos essen- ein anderes, grosses Kapitel.

Im Gegensatz zu den Staaten haben die Menschen hier sowas wie Esskultur. Die ist vor allem, so finde ich, suess und mit Gemuese, dass ich nicht kannte. Wie auf einem Bild so zu sehen, gibt es sowas wie einen Cousin der Banane. Nur noch suesser und gebraten (entweder allein mit kaese und Schinken oder mit Reis und Fleisch mit dem Hauptgang). Ansonsten wird viel Reis, Fleisch und als Gemuese (neben dem eben erklaerten) auch rote Beete, Maiskolben oder anderes Zeug gegessen. Als Nachtisch gibt es entweder Fruechte die ich nicht kenne, oder Karamelcreme auf kolumbianisch Art mit Keksen, Pudding oder Fruechten. Fruechte die ich nicht kenne: Letztens habe ich sowas wie eine Pflaume probiert (auch ein Cousin, erklaerte man mir), nur fast schwarz und viel suesser. Sowas von ekelhaft.....!
Ansonsten gibt es aber die verschiedensten Suessspeisen und Kaffee (gut, wir sind in Kolumbien) in allen Variationen. Das glaubt man nicht.
Typisch sind auch kleine Staende, wenn man aus Bogota raus in die Berge faehrt. Ueberall sind Staende die suessspeisen verkaufen (z.B. Kuhmilch angedickt mit Darm und verschiedenen Saucen, schmeckt aber!) und typisch kolumbianisches Essen. So kann man dort Maiskolben, grosse Kartoffeln, Fleisch und Huhn, fettfleisch cross angebraten und spezielle Bratwuerste bestellen. Die werden dann in einem Korb serviert und gegessen mit den Haenden, sitzend auf Baumstaemmen.

Waehrend man uebrigens raus in die Berge faehrt, sieht man an den Strassenraendern auch Pferde die man fuer Touren mieten kann. Man reitet dann in der Gruppe in die Berge und gibt sich da die Kante. Was fuer einen damals bei uns das Bollwerk sind hier also die Pferde und die Anden.
Apropos Touren. Was man auch machen kann, ist sich spontan einen "Partybus" mieten. Die heissen wirklich so. Mit 25 Mann gehts dann rein in das gute Stueck und hinten spielt eine Band. Dann wird getanzt waehrend der Bus durch die Stadt faehrt. Wer aber auch das nicht  moechte bestellt sich die Band gleich fuer billiges Geld in die eigene WG. Mit Akkordion, Saenger, Gitarre und Trommel sind die dann binnen einer halben Stunde dort- der Partyhit.

Dann sind wir ja schon wieder beim naechsten Kapitel: die Musik. Neben Drogen, Kaffee und weiss ich was ist Kolumbien, so sagt man mir, vor allem fuer seinen Tanz und die Musik bekannt. In den Clubs und zum Karneval wird hier zu Raeggeton (wird das so geschrieben?) und Vallenato getanzt. Tanzen ist fuer die Leute hier sowieso Religion. Im Club wird dann auch schon mal Salsa oder Merengue hingelegt.... Noch krasser, soll das aber an der Kueste sein.

Mit dem Wort Kueste, sind wir also bei der Umwelt angelangt. Die ist "traumhaft", wie ich sagen wuerde. Die Anden, alles gruen und sobald man aus Bogota rausfaehrt wird es warm (hier ist im Moment Winter und deshalb jeden zweiten Tag fuer 1,2 Stunden Regen). Ausserhalb findet man dann auch Tropenwaelder mit verschiedensten Eidechsen und sonstigen Tieren, die man sonst nur aus Buechern kennt. Ein Bekannter von Arbeitskollegen hat eine Farm, zu der wir mal fahren wollen. Da gibts dann all das zu sehen. Auch so, hat Kolumbien verschiedenste Vegetationsformen zu bieten. Im Sueden der Amazonas, im Norden sowohl Atlantik, als auch Pazifikkueste. Am Noerdlichsten Punkt sogar wueste. Touristisch soll das sehr geil sein. Dort ist es kaum bewohnt, die weissesten Straende und indianische Ureinwohner. Dort bekommt man eine Haengematte, auf der man dann zwischen zwei Baeumen gespannt pennt- direkt am Meer.

Wie erwaehnt, ist die Situation in den Staedten hier mit der Deutschlands nicht vergleichbar. Der Verkehr ein Chaos, die Strassen in schlechtem Zustand...
Bogotá soll trotz dessen einer der schoensten und organisiertesten Staedte Lateinamerikas sein- anders als Lima, Caracas, Sao Paulo oder B. Aires. In den letzten Jahren hat sich dank eines  guten und demokratischen Praesidenten hier viel getan. Am Sonntag werden so z.B. die Hauptstrassen geschlossen um daraus riesige "Spielstrassen" zu machen. Hier joggen Leute, gehen spazieren und sonst was. Dass die Grundsituation jedoch insgesamt eine andere ist und mit unserer nicht vergleichbar finde ich gerade sehr cool.

Ueber die "Farc" (Guerilla) hab ich auch schon eine Einfuehrung bekommen. Gegruendet vor50 Jahren hatten haben sie fuer Grundbeduerfnisse in den laendlichen Regionen wie Wasser, Strom und Strassen gekaempft, um ihre Waren verkaufen zu koennen. Sie sind kommunistisch, arbeiten mit Chavez zusammen. heute dreht es sich jedoch meist nur noch um Anbaugebiet fuer Koks. Neben Plantagen fuer Kaffee und Blumen (hier ist Kolumbien wohl Weltmeister) trifft man eben auch diese Plantagen an. Daher kontrollieren die Farc  vier ganze, nicht gerade kleine Regionen in Kolumbien. Die halten immer Geiseln gehalten, mit der sie die Regierung dann erpressen. Durch dessen Regionen, darf man daher auch auf keinen Fall fahren- Gut, hatte ich auch nicht vor. In diesem April wurde einer der Anfuehrer verhaftet und in den 90ern bekannterweise der Drogenpapst Pablo Escobar.

Ein erster Zwischenfall: Als ich vor meinem Hotel Fotos machte, war auf diesem Bild auch Militaer drauf. 20 min spaeter klopfte es an meiner Tuer und zwei Soldaten standen vor mir- nicht schlecht, dachte ich! Sie meinten es sei verboten Bilder vom Militaer zu machen. Ich sollte das Bild einfach loeschen....

Achso: Fussball spiele ich hier auch. In der "Seleccion" Siemens. Das Trainingsfeld ist unter aller Sau, aber die Spieler und das Training unerwartet gut- sehr gut. Nur trainieren in 2600 m Hoehe ist anstrengender als ich dachte.... Vielleicht hat die FIFA auch daher im letzten Jahr internationale Spiele ueber 2500 Meter verboten, wer weiss. Auf jeden Fall haben wir ab naechste Woche auch regelmaessig Spiele am WE.

Wichtig und nicht zu vergessen ist aber auch das Spanisch. Das wird besser und entwickelt sich gut. Musste ich mich in der ersten Woche an andere Aussprache und Woerte gewoehnen(schon nen scheiss Gefuehl nichts zu verstehen :-)), wirds besser und macht vor allem Spass. Sehr geil ist das! Nur das mit dem "r" rollen klappt noch nicht so. Da haben sie mir aber schon ein paar Tricks gezeigt...

So, das solls gewesen sein, als erster Zwischenbericht. Ist dann doch laenger geworden als ich dachte. Der naechste folgt dann, wenns was neues gibt und ich Zeit und Lust habe was zu schreiben.

Mir gehts (und gefaellts) sehr gut, ich geniesse die Zeit und es ist genau das, was ich vorher wollte- was ganz anderes.

Life is good!

beste Gruesse aus Bogota,

Dominic

ps. Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. Hatte keine Lust irgendwas zu berichtigen.
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