In der Perle Lateinamerikas

Veröffentlicht auf von Dominic Blank

"Auf der Zielgeraden" nennt man das glaube ich, wenn einem noch 2 Wochen bis zur Rückkehr in die Heimat verbleiben. Dieser Bericht wird demnach der vorletzte, bevor ich 2 Tage vor meiner Abreise, noch einmal ein paar "zusammenfassende Schlussworte" finden werde.

Wieder einmal ging es über das Wochenende in die Ferne! Dieses mal mit dem Flugzeug von Bogotá an die Küste nach Cartagena- der Perle Lateinamerikas. Aber Moment einmal: "Schon wieder reisen übers Wochenende, arbeitest du dort überhaupt?" All diejenigen, die sich über meine Arbeitsmoral Gedanken machen, kann ich beruhigen. Gearbeitet wird hier bis 18:00Uhr immer, nur gibt es viel mehr Feiertage. Während Deutschland, bzw. Berlin auf gerade einmal neun Feiertag pro Jahr kommt, gibt es hier in Kolumbien 25(!) gesetzliche Feiertage! Daher ist es verständlich, dass alle Nase lang ein Feiertag ansteht... den Leuten gefällt es eben zu feiern. Wenn ein Feiertag übrigens auf einen Samstag oder Sonntag fallen sollte, wird der auf den Montag verschoben. Nicht schlecht was, einfach mal Feiertag verschieben:-)? Wie auch immer, so kommt es, dass auch der vergangene Montag ein Feiertag war. Es ging also vom Büro am Freitag direkt zum Flughafen und am Dienstag früh vom Flughafen direkt ins Büro. Aber wen interessiert hier schon meine Arbeitsmoral, zurück zu Cartagena...

 

"Noches de Cartagena que fascinan"(Nächte in Cartagena die faszinieren), so heisst es in der ersten Strophe eines bekannten kolumbianischen Liedes. Die Wahrheit ist, dass mir Leute seit dem ersten Tag erzaehlt haben, ich koenne nicht in Kolumbien sein ohne nach Cartagena zu gehen. Es gibt zwei "Touristenziele (fuer diejenigen die sich durch Koka, Kidnapping und Drogen nicht abschrecken lassen....)" in Kolumbien. Das erste ist Cartagena, das zweite ist die Kaffeeanbauzone im Westen des Landes. Cartagena ist mehr als nur als eine Stadt.

Sie wurde am 1. Juni 1533 gegruendet und gilt in der Geschichte als eine der ersten spanischen Stadtgründungen im Norden Suedamerikas. Cartagena erlebte ein schnelles Wachstum als wichtiger Hafen für die Schiffahrt des Kontinents. Die spanische Flotte kam zweimal jährlich nach Cartagena um hier die spanische Waren wie Waffen Rüstungen, Werkzeug, Textilien, Pferde zu vermarkten und Gold, Silber, Perlen und Edelsteine zu laden.

Auch die niederländischen und englischen Sklavenschiffe, soweit sie überhaupt in spanische Häfen in Amerika einlaufen durften mussten nach Cartagena. Aus diesem Grund wurde Cartagena häufig von Piraten attackiert und geplündert. Nach dem Einfall der Piraten befestigten die Bewohner die Stadt durch einem 11 km langen Schutzwall und die riesige Festung San Felipe. Die Einfahrt in die Bucht säumten fortan zwei Forts San José und San Fernando die nur schwer zu überwinden waren. 

Das wirklich beeindruckende an Cartagena ist dessen Altstadt. Diese Zone, umgeben von eben genanntem Schutzwall, ist in der Architektur des spanischen Kolonialstils gehalten. Leider klingt das nuechternen und langweiliger als es ist! Die gesamte Stadt ist Unesco Weltkulturerbe und zieht Touristen aus ganz Suedamerika an. Man muss sich das wie folgt vorstellen:

Angekommen am Flughafen geht es raus aus dem Flugzeug und rein in Wärme. Strahlende Sonne, das ganze Jahr. Umgeben von Palmen und am Meer entlang geht es mit dem Taxi in Richtung Innenstadt. Bereits nach 10 Minuten ist zur linken Seite die ca. 10 meter hohe Stadtmauer zu sehen. Alt, aber sehr gut erhalten sieht sie aus. Schon hinter der Mauer kann man aus dem Taxi die vielen Kirchen, Kathedralen und verschieden farbigen Häuserfassaden erkennen. Im Hintergrund lässt sich sogar die riesige Festung des damaligen Spanischen Herrschers erkennen. Während man an der Stadtmauer entlang in Richtung Stadtmitte fährt, lässt sich schon hier der Widerspruch der Stadt erkennen. Der Widerspruch zwischen neu und alt, Geschichte und Moderne. Zur linken erkennt man die Grundrisse der wunderschönen Altstadt, dessen Stadtmauer immernoch die alten Kanonen der damaligen Zeit zieren. Zur Rechten das Meer, das nicht mehr als 40 Meter von der Mauer entfernt ist. Ein riesiges, traditionelles Segelschiff liegt dort vor der Stadt im Hafen, das Nachts immer angestrahlt wird. Vor einem, in der Distanz, lässt sich die Skyline des neuen Teils Cartagenas erkennen. Ein herrlicher Widerspruch, ein beeindruckendes Bild.

Nach kaum mehr als 10 Minuten steigen wir dann aus dem Taxi aus, genau vor dem ehemaligen Eingangstor der Stadt, dem Wahrzeichen (Es gibt auch ein Bild von mir, wo ich vor einem Tor stehe, dass einen Turm als Spitze hat). Sobald man durch das Tor in den alten Teil der Stadt schreitet, schreitet man ca. 150 Jahe zurück in der Zeit. Vor einem befindet sich ein Marktplatz mit der Statue des Stadtgründers und eine riesige, bunte, im kolonialstil gehaltene Häuserfassade. Terrassen, die aus Holz scheinen, von denen Blumen in den verschiedensten Farben hängen. Überall sind Leute, die vor den Restaurants in der Stasse sitzen. Keine Autos, sondern Kutschen fahren durch die Strassen. Was nun vor mir liegt, ist ein riesiges Gebiet Altstadt, das durch und durch in diesem Stil gehalten ist. Ich habe zuvor nie ein so grosses Gebiet gesehen, dass so gut erhalten in einem solchen Stil erhalten ist. Das ist wirklich wie eine Stadt aus einer anderen Zeit, dazu noch die Stadtmauer die diesen  ganzen Teil umgibt. Abends werden die Häuser, Strassen, Kirchen und Kathedralen von dezentem, gelben Licht angestrahlt- das hat schon Atmosphäre. Ein Marktplatz folgt dem anderen, eine Kirche der anderen. Überall sind kleine Parkanlagen, Statuen die an das Leben der damaligen Zeit erinnern. Auf der Stadtmauer, der Wallanlage sind die Kanonen aufgestellt. An jeder Ecke sitzen die Menschen vor den Bars auf den Plätzen, Sänger und Bands stehen versammelt an den Tischen. Sie singen, tanzen- aber natürlich Merengue, Salsa und Vallenato. Geht man wieder ein paar Meter weiter kann man schon die Musik der traditionellen kolumbianischen Tänze hören und man sieht, wie eine Gruppe Tänze der Region vorführt. Das ist vielleicht auf den Fotos nicht so gut zu erkennen, aber die Atmosphäre ist es, die diese Stadt so einigartig macht. Es gibt in der gesamten Altstadtzone nicht ein einziges modernes Gebäude. Alle Fassaden sind in dem gleichen Stil erhalten, gepflegt und verschiedenfarbig.

Darüberhinaus ist Cartagena, "noches que fascinan" für sein Nachtleben bekannt. So findet man verteilt "auf"  der Stadtmauer Bars die ein ganz anderes Ambiente bieten. Da die Stadtmauer an einigen Stellen bis zu 30 Meter misst, haben einige Leute Bars auf der Wallanlage errichtet. Dort kann man neben den Kanonen und Wachtürmen bei Bier und Rum die Aussicht aufs Meer bzw. die Altstadt geniessen. Die Atmosphäre lässt sich wirklich schwer beschreiben, ebenso wenig von den Fotos einfangen. Zu dem Charme dieser Stadt kommt, dass vor dessen Küste  eine Inselkette liegt: "Islas de rosario". Auch dahin sind wir für einen Tag mit einem Boot gefahren, da sie für ihre karibischen Strände bekannt sind (Achtet mal auf die Beschreibungen der Fotos). Dort konnte ich dann bei Sonnenschein, türkis-blauem Wasser und weissem Strand Cocktails aus der Kokusnuss schlürfen und im Meer nach Fischen schnorcheln. 

Es gäbe noch viel mehr über Cartagena zu sagen, doch sehr wahrscheinlich, würde ich mich immer nur wiederholen.

 

"Hay que vivirlo, para saberlo" - "Man muss es erleben, um es verstehen zu können" 

 

FYI: http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,591368,00.html

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