Vom vielen Gold und ganz hoch hinaus wollen...

Veröffentlicht auf von Dominic Blank

"Gold, Mythen und ganz hoch hinaus wollen"- stand im Zeichen des vergangenen Wochenendes.  Freitag um eins, macht jeder seins... naja, vielleicht nicht ganz. Denn um 18 Uhr fiel der Hammer im Buero und das Wochenende wurde eingelaeutet. Dann heisst es: "Vamos a rumbiar?" - Gehen wir feiern?
Raus aus dem Anzug, rein in die Jeans und schon gegen halb 11 ab ins "Corazon". Auch wenn der Name mit "Herz", so wie ich finde, ungluecklich gewaehlt ist, tat das der Stimmung keinen Abbruch. Denn wenn getanzt wird, dann tanzt der ganze Club, von der Bar bis an die Toiletten... und waehrend immer alles in Flaschen bestellt wird, werde ich schraeg angekuckt wenn ich mal irgendwas im Glas bestellen moechte. So ist das eben.

Am Samstag gegen 12 ging es dann auch schon wieder Stadtauswaerts mit dem Ziel "Guatavita- La leyenda de El Dorado".  1 1/2 Stunden und ca. 130 Schlagloecher spaeter waren wir am Ziel. Noch hoeher als Bogota gelegen, ging es die letzten km auf Feldwegen und durch entlegene Doerfer weiter rauf in die Berge. "Guatavita" ist der Name der Lagune, eines Naturreservoirs, das Inhalt der Legende vom El Dorado ist.
Tourismus und Sightseeing ist in Kolumbien recht guenstig, so haben wir fuer den Eintritt inklusive Fuehrung durch das Reservoir nur umgerechnet 3,50 Euro bezahlt. Das Reservoir selbst liegt in einer Hoehe von 3.100 Metern, was man auf den Bildern vielleicht nicht immer erahnen wuerde. In jedem Fall aber, wachsen dort die verschiedensten Baume, Blumen, Pflanzen und Straeucher. Alles auf engsten Raum und auf Grund der Hoehe werden einige Pflanzen, die normalerweise mehrere Meter messen, dort nur einige cm gross. Das, die Aussicht und das Klima war von der Kamera aber nur schwer einzufangen...

Das wirklich spezielle und reizvolle macht aber der Mythos aus. Denn vor hunderten von Jahren, befand sich in diesem Gebiet ein Dorf von Indianern, Ureinwohnern Kolumbiens. Da Kolumbien nebem dem Export von Blumen, Kaffee und Koks auch beim Goldvorkommen ganz gross ist, verfuegten auch die Ureinwohner ueber diesen Schatz. Um Stammeshaeuptling zu werden, wurden ausgewaehlte Jungen im Alter von 9 Jahren fuer 9 Jahre weggesperrt. In dieser Zeit mussten sie verschiedenste Tests ueberstehen und haben nebenbei  Figuren und Skulpturen aus Gold angefertigt.  Da sie weggesperrt waren, weder Frauen, noch reiches Essen erfahren durften, gab es nach Ueberstehen der 9 Jahre ein besonderes Ritual. Der angehende Haeuptling wurde in Mais und Mehl gewaelzt und mit Gold bestreut. So wurde er in einem Boot samt seiner Goldskulpturen auf die Lagune geschickt.
Fuer die Indianer repraesentierte das Wasser die Frau. Zur Huldigung dieser, wurden die Skulpturen in der Laguna versenkt und das Gold von der eigenen Haut abgewaschen. Aus diesem Grund, wird die Lagune auch "El Dorado" ganannt (dorado heisst im Spanischen "golden"). Tatsaechlich wurden in und am Rande der Lagune hunderte von Goldskulpturen gefunden die heute im Goldmuseum von Bogota zu bestaunen sind. Sehr viele haben in der Vergangenheit versucht die Lagune aufs Trockene zu setzen (urspruenglich ging sie bis zum Rand der Berge). Doch niemand weiss wirklich genau wie tief diese ist, da sie nach unten immer spitzer wird.  Dazu soll es einen Spalt geben, nach dem es noch viele Meter weiter nach unten geht.... Wie viel Gold und Skulpturen noch da unten liegen, bleibt ungewiss. Heute steht das Ganze natuerlich unter Naturschutz und niemand darf mehr ran.... es wird ein Mythos bleiben.

Jetzt aber genug mit der Geschichtsstunde. Wir wollen ja nicht klug schei.... .

Am Sonntag ging es mit Bekannten einer Kollegin nach "Suesca". Einem Gebiet, das bekannt und einmalig fuer seine Klippen und daher besonders bekannt fuers Klettern ist.  Es ging also "ganz hoch hinaus...". Tatsaechlich  waren meine Guides schon Profis und fahren jedes Wochenende zum Klettern dorthin. "Suesca" liegt uebrigens auch ca. 1 1/2 Stunden ausserhalb Bogota's. In einem kleinen, typisch kolumbianischen Dorf hiess es dann Schuhe ausleihen und ab an die Klippen! Entlang der Schienen, wiederum weiter hoch in die Berge. Die Stimmung haette nicht besser sein koennen. Ueberall gut gelaunte, gruessende Menschen, die Dorfjugend auf Pferden... Da es hier ueberall Berge gibt, heisst das auch, dass einem immer auch immer ein Tal "zu fuessen" liegt. Der Ausblick ist dann schon Wahnsinn und die Luft eine andere.
Das Klettern selbst war der Hoehepunkt. Zwar bin ich einige Male in der Halle in Berlin klettern gewesen, doch ist das hiermit kein Vergleich. Ohne Griffe, keine vorgesetzte Ruten und anstettdessen an Felsen und mit Tieren in den Loechern... :-) Anstrengend war es, aber es hat vor allem auch verdammt viel Spass gemacht. Zwar hat es nicht ganz bis in den Himmel gereicht, aber beim gesicherten Fall in das Seil schiesst dann doch wahnsinnig viel Adrenalin in Blut und Kopf.... Vertrauen in Mensch und Technik zu haben, faellt in der Hoehe nicht immer ganz einfach :-) Ganz frei, ohne Haende und Fuesse an den Felsen, im Seil zu haengen war Wahnsinn. "Aufgehypt" und gepusht ging es danach in ein uriges Restaurant im beanannten Dorf. Denn frische Luft, gutes Wetter und Adrenalin machen hungrig. Natuerlich wurde dabei auch Bier getrunken, ueber verschieden Laender und Sitten philosophiert und der Abend eingelaeutet....

Es ist schon erstaunlich, wie selbstverstaendlich die Leute ihre Wochenende hergeben, mir das Land zeigen und die  verschiedensten Trips planen. Am naechsten WE gehts dann 4 1/2 Stunden weg... Das darauf folgende gehts samt Kollegen aufs Land in eine alte Finca eines Arbeitskollegen. Ausserdem planen sie verlaengerte Wochenenden an der Kueste und im Amazonas- das ist schon ein Traum, meinen Respekt. Laut einer Studie (nein, ich kenne weder die Quelle, noch die statistische Erhebungsform, noch das Jahr der Veroeffentlichung :-) ) seien die Kolumbianer das 2 zufriedenste Volk, wurde mir von verschieden Seiten erzaehlt. Fest steht aber, dass Gastfreundschaft und Lebensfreude hier gross geschrieben werden. Das, obwohl die Leude oft viel weniger haben, als wir das gewoehnt sind. Oder vielleicht gerade deswegen?

I'm rockin' on, mir gehts gut, lasse weiter von mir hoeren und schicke euch die besten Gruesse aus Bogota!

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