Ein Zimmer im Freien und auf den Spuren Pablo Escobar's
Um 3.30 in der Nacht ging es am Samstag von Bogotá in das 4 1/2 Stunden entfernte Rio Claro. Gelegen zwischen den zwei grössten Städten Kolumbiens, Bogotá und Medellin, führt nur eine Strasse quer durch die Anden dorthin. Der Nebel nachts, bzw. früh morgens hat für einige wenige Kilometer nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt. Nach dem ersten Anstieg weiter hoch in die Berge, zeigte sich die eigentliche Beschaffenheit: enge, spitze Kurven und davon sehr viele. Nur gut, dass das die vielen LKW's nicht interessiert. Stellenweise überholen die wirklich in der Kurve, was solls, dann steht man da schonmal...
Ansonsten war die Aussicht grossartig. Nach ca. 2 Stunden erreicht man ein Gebiet, das ganzjährig warm ist, in dem nur die Sonne scheint. Die vielen kleinen Dörfer die man auf dem Weg durchquert sind herrlich, denn da scheint sich das Leben überwiegend auf den Strassen abzuspielen. Die Leute sitzen vor den Häusern, die viel mehr Hütten sind. Aber das nicht in grau, nein, sondern in den verschiedensten Farben. Eine Stunde vor Ziel, ging es über den längsten und wichtigsten Fluss Kolumbiens, dem Rio Magdalena, in ehemaliges Guerillagebiet. Teilweise kann man dort noch die Wachtürrme derer sehen... Diese Region wurde jedoch vor einigen Jahren vom jetztigen Präsidenten "gesäubert", so dass dieses Gebiet heute als absolut sicher gilt.
Mit bestem Wetter im Rücken, sind wir gegen halb neun in Rio Claro angekommen. Ein Naturreservoir, das für seinen, wie der Name schon vermuten lässt, klaren Fluss bekannt ist. Darüberhinaus ist dieser Fluss in einigen seiner Abschnitte gänzlich von reinem Marmor umgeben. Direkt vor unserem Hotel bzw., dem Zimmer im Freien, lag der "Playa de Marmol", der Strand aus Marmor. Umgeben ist dieser Fluss, wie soll es auch anders sein, von Bergen und einem als tropisch geltenden Wald. Alles in allem, ergibt sich so ein wirklich schönes Stück Erde…
Man fährt aber nicht einfach nach Rio Claro um den schönen, noch so reinen Fluss zu bestaunen. Man fährt dorthin um einige Tage Erlebnisurlaub zu machen. Denn ausser dem Hotel mit 2 Häusern, befindet sich weit und breit nichts in dieser Gegend. Es gibt weder Steckdosen, noch Fernseher oder Radio, noch Wände. Richtig, Wände! Ich würde es nämlich weniger als Hotel, sondern viel mehr als schon benanntes Zimmer im Freien bezeichnen. Denn es gibt nur zwei Wände, während das Zimmer zum Fluss und den Bergen hin offen ist! Alles andere ist wirklich rustikal gehalten, auch das Wasser aus der Dusche ist kalt…
Auf diese Weise hatte man den Eindruck, wirklich in der Natur zu übernachten. Besonders die Geräuschkulisse samt Fluss, Insekten und sonstiger Natur war schon besonders. Morgens mit diesem Ausblick aufzuwachen, auch....
Link zum Video des Zimmers-http://www.youtube.com/watch?v=b1S3Pgy84lM
Abenteuerurlaub aber auch auch, wegen des Angebots an Aktivitäten. So ging es gleich um 10 rein ins Kayak und ab ins Wasser. Devise: Kayak im Stil Rafting, den Fluss und die Strömung hinunter. In 4 Kayaks ging es dann mal über Steine und schnelle Strömungen, mal durch langsames Gewässer, schlussendlich den Bergen entgegen. Die Tour dauerte ca 2 1/2 Stunden und beinhaltete neben dem reinen Kayak auch Sprünge ins Wasser (schwingend an einem Seil vom Ufer) und einen Stop unter einem Felsvorsprung. Dieser kam mehrere Meter weit vor, so dass man wirklich ganz unter dem Felsen bis an die Wand von diesem paddeln konnte. Von der Decke tropfte das reine Bergwasser, von dem wir dann auch getrunken haben...
Zurück in das, ich nenn es mal Camp, ging es sitzend auf der Ladefläche eines Pickuptrucks.
Am Nachmittag folgte das eigentliche Highlight, eine Tour durch die Höhle "Cueva de los Guácharos". Ich weiss, ich habe das gleiche gedacht wie ihr: "Nein, bitte nicht schon wieder irgendeine langweilige Höhle", aber nischt is! Leider leider konnte ich dort keine Fotos machen, da man mit seinem ganzen Körper untertauchen musste! Schon der Weg in die Höhle ging eine halbe Stunde hoch in die Berge durch den Wald, der hier wirklich tropisch war. Es gab keine künstlichen Wege, was heisst, dass man sich seinen Weg suchen musste. Über riesige Wurzeln, rutschige Steine und Armeen von Ameisen (nur gut, dass wir schon Tage vorher begonnen haben, ein Vitamin zu nehmen, das die fernhalten soll: es hat geholfen!). Die Höhle selbst war beeindruckend. Sie heisst Guácharos, weil so die ca 40 cm grossen Vögel heissen, die sich während des Tages dort aufhalten. In der Höhle selbst, machen die zeitweise ein Geräusch, das kreischend ist und beängstigend sein kann. Ausgestatten mit Taschenlampen auf dem Kopf, ging es dann ab rein. Ist die Höhle zwischen 40cm und 2meter breit, so herrscht drinen völlige Dunkelheit. An einem Punkt haben wir die Lampen ausgemacht, um uns, so Zitat, "wirkliche Dunkelheit zu demonstrieren". Es stimmt, ich wusste nicht, ob ich die Augen auf oder geschlossen hatte. Normalerweise gewöhnt sich das Auge nach wenigen Sekunden daran, aber nicht da! Völlige Dunkelheit! Das besondere war neben den Vögeln aber die Beschaffenheit der Höhle- gänzlich aus Marmor. Überall, ob über einem, unter einem oder neben einem. Malerische Wände mit verschiedensten Mustern und Formen, teilweise wie Skulpturen. Noch was: Die Höhle war sehr eng, jedoch bis zu 30m hoch. Man stand stets bis zu den Knien im Wasser, währenddessen man über unebenen, teils spitzem Marmor lief. Nach oben sollte man mit den Kopflampen nicht leuchten, weil die Vögel sonst geblendet und eventuell fallen könnten. Und noch was: Ïn der Höhle gab es Höhenunterschiede. Das bedeutet, das wir einige Male bis zu 2 Meter tief ins andere Wasser springen mussten, um weiter zu kommen (mit den Kopflampen). Der Ausgang der Höhle war schlussendlich ein Loch mit 2x2 Meter, von dem aus es weitere 3 Meter tief über ein Netz nach unten ging. Nach unten, in den Rio Claro. Da war ein Seil befestigt, das ans andere Ufer führte. Quer über den Fluss zog man sich an dem Seil und durch die Strömung ans andere Ufer.
Das war schon was... wirklich was anderes! In jedem Fall hats wirklich Spass gemacht.
Abends fanden wir uns mit anderen Reisenden zum Schnapstrinken (Aguardiente, dem kolombianischen Original) ein. Was soll ich sagen, Schnapstrinken eben, da gibt es nicht viel zu sagen...
Am Sonntag stand Canopy auf dem Plan. An einem Seil und einem Haken ähnlichem Gerät, ging es über 5 Stationen quer über den Fluss. Auch hier wurde das altbekannte Adrenalin ausgestossen...
Schaut es euch an.
LINK Canopy- http://www.youtube.com/watch?v=bfMunhFXNWM
Zurück auf dem Weg nach Bogotá haben wir bei einer Finca bzw. dem Haus, des bekanntesten und grössten Drogenbarons der Geschichte, Pablo Escobar (Klar war der Kolumbianer...), Halt gemacht.
Dieser wurde in den 90ern erschossen, nachdem er über viele Jahre verfolgt und gesucht wurde. Zuvor wurde er schon einmal verhaftet und hat angeboten, alle Auslandsschulden Kolumbiens zu zahlen, wenn er dafür freigelassen wird! Darauf wurde nicht eingegangen, trotzdem konnte er wenige Zeit später spazierend aus dem Gefängnis laufen. Der Mann hatte alles Geld der Welt. Wie auch immer, geholfen hat ihm das zum Schluss auch nicht. Jedenfalls hatte er sehr viele Fincas in Kolumbien. Wir haben die Finca besucht, die als sein Haus galt, seinem Heimathafen. Das Gebiet seines Grundstückes ist unvorstellbar gross, so dass man das mit dem Auto durchfahren muss. Das ist wie eine Art Jurassicpark, mit einem grossen Tor als Eingang und anschliessender Rundfahrt. Der Mann hatte so viel Geld, dass er wohl nicht wusste, was damit anzustellen war. Daher hat er sich u.a. lebensgrosse Dinosaurier nachbauen lasssen, hat sich exotische Tiere wie Zebras, Puma, Tiger, Flamencos, Affen, Lamas etc. zugelegt und in seinen See Nilpferde eingelassen... Achso, natürlich durfte auch die eigene Landebahn und das eigene Stierkampfstadion nicht fehlen. Ich sag euch, dass war wie in einem Film! Seht euch die Bilder an. All die Tiere die er damals hatte, sind auch heute noch zu bestaunen. Jedoch nicht die Selben, denn auch die wurden nach seinem Tod gestohlen. Ausgenommen der Nilpferde, denn die sind die Selben.
Ansonsten war das Grundstück wirklich schön, nur eben sehr gross. Wie ein Zoo, mit Palmen, Tieren, Seen etc... Wie man auf den Fotos sehen kann, ist das Haus bis auf die Mauern runtergebrannt. Ebenfalls sehen könnt ihr seine Oldtimersammlung. Die Autos sind schon zuvor, bei einem Anschlag auf ihn, verbrannt . Auf dem Dach dieses Hauses, wurde er übrigens auch erschossen. An den Wänden ausgestellt sind die Zeitungsartikel der damaligen Zeit. Da lag schon eine komische Stimmung in der Luft.... Auch sämtliche Böden des Hauses wurden aufgerissen, in der Hoffnung, dort das viele Geld zu finden. Aber auch hier gilt, "nischt is", das viele Geld wurde nie gefunden...